Die Geschichte
der ROKAL-TT Modelleisenbahn

von Manfred Albersmann


Exkurs Fa. Robert Kahrmann


Die Firma Robert Kahrmann wurde 1914 als "Robert Kahrmann & Co." gegründet. Damals versuchte es der Balte, Robert Kahrmann, 1887 in Libau geboren, als freier Handelsvertreter in der Metallwarenbranche. 1914 gründete Robert Kahrmann in Düsseldorf eine Einzelhandelsfirma. Zum Fabrikanten wurde er Mitte der zwanziger Jahre, als er in Venlo (Holland) einen kleinen Betrieb für Kokillenguß aufbaute. Nach einem Zwischenaufenthalt im Westerwald wohnte die Familie (drei Töchter: Ilse, Ursula, Helga) auf einem Gut bei Arcen (Holland).

Im Jahre 1927 siedelte das "Guss-Armaturenwerk" nach Lobberich über und begann recht bescheiden in den früheren Ställen und Remisen, die zum Haus Erlenbruch gehörten, die Produktion. Das Haus hatte die Familie Kahrmann mit der Familie Niedieck (ebenfalls eine bekannte Lobbericher Industriellen-Familie - Niedieck-Brillant-Samt) gegen das Gut in Arcen getauscht. Während des zweiten Weltkrieges beschäftigte Kahrmann ca. 150 Personen. Es wurden sanitäre Armaturen (vornehmlich Wasserhähne) aus Zinkspritzguß hergestellt, die dann mechanisch weiter verarbeitet wurden. Dazu musste ein Formenbau für die Spritzgussteile unterhalten werden.

Zusammen mit dem niederländischen Baron Max de Weichs de Wenne betrieb Robert Kahrmann am St. Urbanusweg in Venlo die NV Metallwaarenfabriek. Die NV Metallwaarenfabriek in Venlo und der Betrieb in Lobberich bestanden zeitgleich. Darum wechselte Robert Kahrmann in dieser Zeit fast täglich über die Grenze (Aussage Helga Grodde geb. Kahrmann verwitwete Heymanns: Mein Vater arbeitete morgens in Venlo und nachmittags in Lobberich).

Robert Kahrmann hatte gute Verbindungen zum Amt Ausland/Abwehr des deutschen Oberkommandos der Wehrmacht. Vor dem deutschen Einfall in die Niederlande nahm er V-Leute der deutschen Abwehr mit nach Venlo oder von Venlo nach Deutschland (im Winter 1939/40 wurde er deshalb in Roermond inhaftiert). Während des Krieges befand sich in Lobberich im Haus Erlenbruch der von seinem Schwiegersohn Hans Heymanns geleitete "Meldekopf Kaldenkirchen" des Amtes Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht.

Der Abwehr-Meldekopf Kaldenkirchen war eine Anlaufstelle der Abteilung I des Amtes Ausland/Abwehr im OKW. Der Meldekopf Kaldenkirchen war organisatorisch der Abwehrnebenstelle Köln unterstellt, die ihrerseits der Abwehrstelle Münster unterstand. Die Abwehrstelle Münster berichtete unmittelbar dem Amt Ausland in Berlin (Leiter: Admiral Wilhelm Canaris). Der sogenannte Meldekopf Kaldenkirchen befand sich in Wirklichkeit im Haus Erlenbruch in Lobberich, wo die Familie Kahrmann vor Beginn des zweiten Weltkrieges wohnte. Nach Aussage von Frau Grodde gab es in dem Haus ein Büro und Telefonleitungen. Zollinspektor Hans Heymanns war der Abwehr unterstellt, zumindest in der Zeit vor dem Einmarsch in Holland, obwohl er eigentlich zum Zoll gehörte. Frau Grodde nahm oft Telefonate für ihren Mann entgegen und war auch bei verschiedenen Besprechungen dabei. Wiederum nach Aussagen von Frau Grodde gehörte zu Meldekopf ein großes Netz von V-Leuten. Das waren perfekt niederländisch sprechende Deutsche und auch Niederländer. Erinnerlich ist ihr ein Mann aus Niederkrüchten-Laar, der direkt an der Straße von Heyen nach Dülken wohnte. Die V-Leute wechselten ständig über die Grenze und zurück. Fortwährend kamen auch V-Leute zum Meldekopf um Informationen zu liefern. Für ihre Berichte bekamen die V-Leute Geld. Insbesondere die Niederländer haben sicherlich nicht aus reiner Freundschaft für die deutsche Abwehr gearbeitet.

Einen ersten Schritt in Richtung Diversifizierung hatte die Fa. Robert Kahrmann & Co getan, als sie 1933 die Fertigung von Kraftfahrzeugzubehörteilen aufnahm. In zwei weiteren Schritten diversifizierte Rokal weiter: 1947 begann der Bau von Vergasern und Benzinpumpen für Autos. Damit war gleichzeitig die Voraussetzung dafür geschaffen, die bisherige Guss- und Armaturenproduktion um weitere Bereiche der Metallverarbeitung zu erweitern, nämlich um Aluminiumleisten und letztlich den  Bau der Modelleisenbahn.

1957 arbeiteten bei der ROKAL GmbH. an die 1.500, 1965 um die 2.000, 1971 dann 2.600 Menschen, darunter 670 Gastarbeiter.


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