Die Geschichte
der ROKAL-TT Modelleisenbahn

von Manfred Albersmann


Die patentierte ROKAL-Kupplung


Die D-Zugwagen waren durch den Druckguss sehr stabil und nahezu unzerbrechlich und waren mit Entkupplungsstiften auf dem Dach versehen, die als "Dachentlüfter" galten. Die "Fischmaulkupplung" mit den separaten Bindegliedern wurde bald durch die patentierte Kupplung (patentiert unter der Nummer 827 613 vom 10.1.1952) von Engelhardt abgelöst. Die starre Verbindung der Kupplungsteile bewirkte, dass längere Züge nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts mit Sicherheit Kurven, Gegenkurven und Weichen bei jeder Geschwindigkeit durchfahren konnten. Voraussetzung war jedoch, dass die Kupplungen an den Fahrzeugen waagerecht und in gleicher Höhe standen. Das Kupplungsteil selbst war stabil; das Aufnahmeteil konnte sich aber bei unsachgemäßer Behandlung verbiegen. Die maßstäblich zu große Kupplung wirkte "klobig" - so die "Miniaturbahnen". Die Druckgussform für die Kupplung war kompliziert und Rokal war für solche kleinen diffizilen Teile schlecht eingerichtet. 1952 wurde diese Teile von der Kölner Firma Postel geliefert, die spezialisiert war auf Reißverschlüsse. In späteren Jahren wurden die Kupplungen dann aus Kunststoff gespritzt, und wegen des leichten Fallgewichtes mit einer Niederhalte-Feder ausgerüstet.


Ein Fehler - der sich in den späteren Jahren immer wieder negativ auswirkte - bildeten die dicken Spurkränze. Engelhardt verwendete an seiner 1. Lok Zahnräder, die an der Innenseite der Treibräder befestigt waren - aber so groß im Durchmesser waren, dass sie über die Lauffläche hinausragten. Er stellte dieses Manko aber nicht ab, obwohl bei der Konstruktion der Weiche dieser Fehler offensichtlich wurde. Eine Doppelkreuzungsweiche war aus diesem Grunde schon nicht mehr möglich. Seine Nachfolger hatten aber auch nicht den Mut, die Dicke der Spurkränze der Norm entsprechend schmaler zu machen. Damit wären alle bisherigen Besitzer von Rokalerzeugnissen verärgert worden, wenn man nicht das Material (Loks, Wagen und Weichen) kostenlos umgetauscht hätte. Was hätte Robert Kahrmann wohl dazu gesagt? Die Spurkränze waren auch dafür verantwortlich, dass keine Rokal-Loks auf anderen Schienensystemen in TT weltweit fahren konnten. Der Export litt enorm unter diesem Manko. Die später gefertigten "Santa Fe" - und "Union Pacific" - Züge wurden zwar in Amerika begeistert aufgenommen, konnten aber leider nicht auf amerikanischen Weichen fahren.

Rückblickend muss gesagt werden: Engelhardt kam nicht aus der Spielwarenbranche, kannte die Spielzeug-Eisenbahnen nur vom "selber spielen" aus seiner Kindheit. Das Wort Modelleisenbahn war 1946 nur "alteingessenen Modellbahnern" bekannt. Berücksichtigen wir die damalige Zeit - kurz nach Kriegsende: kaum Informationen, kein geeignetes Material, und die Unterstützung innerhalb der Fa. Rokal war nur teil- und zeitweise vorhanden (der von Engelhardt aufgebaute, eigenständige Betrieb im Betrieb wurde argwöhnisch beobachtet). Deshalb muss man heute seinen enormen Fleiß, Eifer, die Geduld und das Können umso höher einstufen. Er arbeitete Tag und Nacht für "sein Bähnchen". In Deutschland ist er der Mann geblieben, der die TT-Bahn als Erster entwickelte und gleichzeitig zur Fertigungsreife führte. Dafür gebührt ihm sicherlich ein besonderer Dank.


Der "Nord-Süd-Express" mit der B 1001 (Wechselstrom) und den ersten D-Zug-Wagen

Die Unterstützung der Geschäftsleitung hielt sich eher in Grenzen. Direktor Paul Schönfeld "verdiente" das Geld für die Firma Rokal mit dem Vergaserbau und reservierte daraus resultierend die betrieblichen Kapazitäten. "Die Bahn hat Zeit" - wurde zum geflügelten Wort im Werkzeugbau, in der Gießerei und in der Galvanik. Trotz allem standen die Mitarbeiter der Eisenbahn hinter Engelhardt und arbeiteten teilweise bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Umso unverständlicher war die Kündigung von Engelhardt für die Mitarbeiter. "Eines Tages im März 1950 packte er seine Sachen und sagte: "Ich habe gekündigt, ich habe eine neue Stelle in Wuppertal" und verabschiedete sich. Was aus "seiner Bahn" wurde, wie es weiterging und was aus seinen Mitarbeitern wurde - kein Kommentar" (Heinz Thieme).

Die Werkzeugmacher wurden in den Werkzeugbau versetzt. Ludwig Bierl blieb mit vier Leuten in der Montage. Heinz Thieme kam ins Konstruktionsbüro zu Paul Schönfeld und zeichnete vorübergehend eine Untertischbatterie für Armaturen.

Entscheidend für den Anfangserfolg der Rokal-Klein-Elektrobahn war, dass Rokal niemals ein reiner Modellbahn-Hersteller, sondern ein Großbetrieb der Metallbranche war, der in einer Abteilung des Werkes nebenbei Modellbahnen produzierte. Rokal konnte "aus dem Stand heraus" eine wenigstens anfangs erfolgreiche Modellbahn-Produktion aufbauen, und dies, obwohl die Anfangsbedingungen zunächst sogar schlechter waren als etwa die der Präzix-Bahn (1947 als Löhmann-Präzix-Bahn der Firma "Präzix-Erzeugnisse" Alfred Löhmann gebaut, 1949 nach Konkurs in die "Europa Spielwaren GmbH" aufgegangen, die ebenfalls im Jahre 1954 in Konkurs ging).

Als die ersten Rokal-Modelle erschienen, hatten sich die traditionellen Hersteller wie Märklin, Trix und Fleischmann von den Kriegsschäden und Materialengpässen schon wieder erholt. In den Geschäften stießen die Kaufinteressenten zuallererst auf deren Produkte. Für den Rokal-Erfolg waren zunächst einmal das Interesse des Firmenbesitzers Robert Kahrmann und dessen Wille entscheidend, ein konkurrenzfähiges Produkt auf den Markt zu bringen. Darüber hinaus war er jedoch in erster Linie Kaufmann und er erwartete in absehbarer Zeit einen wirtschaftlichen Erfolg.

Ohne diese Voraussetzung hätte man bei Rokal wohl niemals die Arbeit an einer Modellbahn aufgenommen. Der zweite Punkt war, dass die Rokal-Werke zunächst genügend Kapital hatten, um einen Produktionszweig über die schwere Anfangszeit zu bringen, also über die Zeit, in der viele Investitionen notwendig sind, die Firma aber nichts einnimmt, das heißt die Zeit der Entwicklung und der Markteinführung. Auch in einem dritten Merkmal unterschied sich Rokal erheblich von den Herstellern anderer Nachkriegs-Modellbahnen: Rokal verfügte über Fachkräfte, diese wiederum über einen unbändigen Einsatzwillen und viele Maschinen. Das Instrumentarium und das Fachwissen der Fertigungstechnik waren bei Rokal vorhanden und mussten nicht erst mühsam aufgebaut werden. Dabei muss man bedenken, dass bei manchem aus einer Bastlerwerkstatt hervorgegangene Spielwaren-Hersteller Kenntnisse über grundlegende Fragen der Fertigung auch in den dreißiger Jahren noch nicht zum Standart-Repertoire gehörten. Die Modellbahn-Herstellung hatte bis zum Krieg viel Bastlermässiges an sich. Eine professionelle Fertigung und Konstruktion setzte sich erst sehr spät durch. Rokal übersprang die Bastlerphase und begann mit der Produktion einer Modellbahn im industriellen Maßstab. Die Firma konnte deshalb nach einer ungewöhnlich kurzen Anlaufphase von zwei Jahren für die damalige Zeit hochdetaillierte und funktionssichere Modelle anbieten. Kinderkrankheiten hatten die Produkte trotzdem, sie konnten aber aus eigener Kraft und mit Hilfe von Hans Thorey (1951 -1958) überwunden werden; er gilt im Übrigen als Begründer des technisch-wissenschaftlich durchdrungenen Modellbahnwesens.

1950 wurde der Firmenname in ROKAL Guß- und Armaturenwerk GmbH geändert.


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Übersicht Rokal TT


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